Road to Bachelor | Fazit
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Fazit

Fazit

 

Anhand der vorliegenden Ergebnisse aus den separaten Tests von Florians Programm und der Black Box lassen sich einige interessante Schlüsse ziehen. Vergleicht man mehrere Verbildlichungen der gleichen Website miteinander, die außerhalb der Black Box – also ohne die Möglichkeit für den Nutzer, die Visualisierung live zu verfolgen – stattfanden, gleichen sich diese meist deutlich.

 

Dies entsteht, wenn man seine Interaktionen dem Interface der Website anpasst und sich mit einem bestimmten Ziel auf der Internetseite bewegt. Somit sind sich sehr ähnelnde Visualisierungen hier der Hauptindikator für automatisiertes Handeln.

Hierzu zwei sich gleichende Ergebnisse, die beim Benutzen von Facebook entstanden sind:

 

 

Interagiert der gleiche Proband mit derselben Website in der Black Box sind deutliche Unterschiede sowohl auf emotionaler, visueller Ebene als auch in den generierten Nutzerdaten festzustellen. Der APM-Wert beschreibt die Aktionen pro Minute. Da dieser in der Black Box vorwiegend höher ist, lässt dies Rückschlüsse auf ein vom Automatismus losgelöstes Verhalten in der Installation ziehen. Auch auf visueller Ebene stellt man große Unterschiede im Vergleich zum Test ohne Livevisualisierung fest. Ist der APM-Wert hoch, steigt die Fluidität der Visualisierung und der Einflussbereich des Nutzers bei einzelnen Aktionen auf die Verbildlichung vergrößert sich. Dadurch entsteht insgesamt ein dynamischeres, sich vom reinen Verhaltensmuster der Website entfernendes Gesamtbild. Zusätzlich passieren die Interaktionen zufälliger und lassen sich nicht auf Interfacetypische Reaktionen zurückverfolgen, was man vor allem an den sich optisch deutlich voneinander unterscheidenden Ergebnissen sieht.

 

Hier zwei verschiedene Facebook-Visualisierungen gegenübergestellt. Oben außerhalb, und unten innerhalb der Black Box entstanden.

Tests_facebook

 

Ebenfalls stellt man beim Auswerten der Daten und Bilder fest, dass während der Visualisierung in der Black Box kaum Inaktivität zu verzeichnen ist. Florians Code sieht einen bestimmten Effekt auf die Darstellung vor, wenn der Benutzer nicht messbar mit der Website interagiert, wie es beispielsweise beim Lesen von Texten oder betrachten von Bildern der Fall ist. Auf den Visualisierungen innerhalb der Box lässt sich dieser Effekt relativ selten verzeichnen. Das könnte bedeuten, dass der Benutzer mit seinen Gedanken weniger bei der Website als bei der Gestaltung der Visualisierung ist.

Hier ein markantes Beispiel für die Verbildlichung der Inaktivität:

 

Weitere Gegenüberstellungen:

 

Youtube. Oben außerhalb, unten innerhalb der Black Box.

Tests_Youtube

 

 

Zalando. Oben außerhalb, unten innerhalb der Black Box.

Tests_Zalando

 

 

Weitere Erkenntnisse

 

Automatisiertes Handeln ist praktisch, weil es den Denkaufwand reduziert und uns somit Handlungsabläufe im Alltag erleichtert. Allerdings ist der Mensch keinesfalls abhängig von Automatismen, wie sie beim Bedienen von Interfaces entstehen. Er kann sich jederzeit von diesen loslösen und neue Wege gehen, wenn es ihm sinnvoll erscheint. Dazu muss man nur die Ausgangslage verändern, eine andere Problemstellung erschaffen oder die Neugier der Person wecken, wie es zum Beispiel in der Black Box der Fall ist. Automatisiertes Handeln kann als ein Hilfsmittel betrachtet werden, welches – um zu entlasten – manchmal das Steuer übernimmt. Doch von Zeit zu Zeit ist es wichtig, diese Art der Entlastung zu hinterfragen. Denn was bei der Navigation in Apps und dem Internet zunächst entlastend erscheint, schafft auch Platz für mehr Handeln in weniger Zeit und fördert eventuell sogar einen Anstieg von Aktionen mit diesen Medien. Man könnte hier von einer positiven Rückkoppelung sprechen: Automatisiertes Handeln erleichtert den Umgang mit den Medien, was wiederum mehr Zeit für Interaktionen mit selbigen schafft – also insgesamt eine eher be- als entlastende Wirkung haben kann.
Die Black Box soll aber, auch wenn die Selbstreflexion im Inneren möglich gemacht wird, auf der Meta-Ebene höchstens als Sichtbarmacher der Problematik und keinesfalls als problemlösendes Instrument gesehen werden.

 

 

Zur These

 

Durch die Einsehbarkeit der Livevisualisierung innerhalb der Black Box ist der Aufbruch des Automatisierten Handelns definitiv möglich, wie man anhand der visuellen Ergebnisse gut sehen kann. Die Reflexion findet aber entgegen meiner Annahme deutlich mehr, aber passiver über die Visualisierung statt als über die Reflektion der eigenen Person durch die Spiegel. Folglich muss auch das Hinterfragen und Beeinflussen des automatisierten Handelns über dieses Medium stattfinden. Dieser Prozess wird bei jedem Menschen individuell – oder auch gar nicht – stattfinden, was für sehr unterschiedliche Resultate spricht. Im nächsten Schritt wird der Benutzer der Installation feststellen können, welche Aktionen bestimmte visuelle Reaktionen hervorrufen. Hierbei muss sich mittels Trial and Error herangetastet werden. In der Unbekümmertheit, die durch den Schutz des Raumes vor äußeren Einflüssen entsteht, sowie durch die räumliche Tiefe, welche die Spiegel simulieren, ist ein vollkommenes Aufgehen in dieser prüfenden Tätigkeit durchaus möglich. Allerdings bezweifle ich trotz der guten Voraussetzungen, dass es tatsächlich zu einem richtigen Flow-Moment beim bedienen der Black Box kommen wird. Dies liegt vor allem an den begrenzten Interaktionsmöglichkeiten, die ein Computer und eine Website zulassen. Da die Eingabe des Benutzers über Maus und Tastatur erfolgt – Geräte, die sich schon lange im Alltag des Menschen etabliert haben, mit geringstmöglichem Aufwand bedient werden können sowie angelerntes Verhalten für die Bedienung voraussetzen – vermute ich einen zu geringen Handlungsspielraum um einen Flow auslösen zu können. Was diese Vermutung unterstützen würde, ist der Fakt, dass sich die Kommunikation von Installation zum Benutzer nur auf den visuellen Informationskanal beschränkt und die Benutzung der Black Box auf der Ausstellung nicht von langer Dauer sein wird. Bei Flow-Momenten werden aber oft mehrere Sinnesorgane des Menschen angesprochen, sowie ein höheres Maß an Routine vorausgesetzt.

 

Dies ist aber nur meine subjektive Einschätzung. Ich bin mir sicher, dass die Benutzer der Black Box auf der Ausstellung in wenigen Wochen ihr automatisiertes Handeln für einige Minuten beiseitelegen werden. Ich kann nicht ausschließen – und hoffe weiterhin sehr – dass dies besondere Erlebnisse mit ihren Visualisierungen hervorrufen wird.
Diese Erkenntnisse bleiben allerdings abzuwarten. In einer weiteren Arbeit mit diesem Thema könnte die Black Box hinsichtlich der Auslösung von Flow-Momenten noch optimiert werden. Zum Beispiel mit einem Versuchsaufbau, der weitere Informationskanäle bietet, mehr Interaktionsspielraum bei der Schnittstelle zwischen Mensch und Computer aufweist, sowie für eine längere Nutzungsdauer optimiert ist.

 

 

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